Vertriebspraxis

Wann Telefonakquise keinen Sinn ergibt

Vier Fälle, in denen Telefonakquise im B2B nicht trägt, und wie Sie das vorher prüfen, statt es erst nach drei Monaten zu merken.

Telefonakquise ergibt in vier Fällen keinen Sinn: der Wert eines gewonnenen Kunden ist zu klein für die Zahl der nötigen Gespräche, das Zielkundenprofil ist so breit, dass die meisten Gespräche bei Unternehmen landen, die gar nicht kaufen können, das Angebot übersteht keine Erklärung von zwei Minuten, oder der Entscheider sitzt in dieser Branche schlicht nicht am Telefon. In allen vier Fällen liegt es nicht am Kanal. Es liegt an der Rechnung dahinter, und die lässt sich vorher aufmachen.

Das Wichtigste

Das Telefon ist kein universelles Mittel. Es trägt, wenn ein Gespräch mit der richtigen Person genug Wert darstellt, um den Aufwand zu rechtfertigen. Geht diese Rechnung nicht auf, löst mehr Telefonzeit nichts. Dann löst nur ein anderer Weg etwas.

Wir leben von B2B-Telefonmarketing, also ist das ein ungewöhnlicher Text. Wir schreiben ihn trotzdem, weil ein Projekt, das von Anfang an nicht funktionieren konnte, für beide Seiten verlorene Zeit ist. Unten stehen die vier Fälle, jeweils mit dem Kriterium, das Sie selbst prüfen können.

Wann der Wert pro Kunde für Telefonakquise zu klein ist

Ein Gespräch mit einem Entscheider ist die teuerste Form von Kontakt, die es gibt, gemessen in menschlicher Aufmerksamkeit. Jemand bereitet sich vor, ruft an, wird zurückgerufen, hält fest, was gesagt wurde, und bleibt dran. Diese Kette kostet Zeit pro Kontakt, und diese Zeit sinkt nicht, wenn Sie mehr Kontakte hinzufügen.

Dem steht eine einzige Frage gegenüber: was bringt ein gewonnener Kunde über die gesamte Dauer der Beziehung? Nicht der erste Auftrag, sondern alles zusammen. Ist dieser Betrag klein und kauft der Kunde einmalig, geht die Rechnung fast nie auf. Ist er klein, aber der Kunde bestellt über Jahre nach, kann sie sehr wohl aufgehen.

Die praktische Grenze ist kein Betrag, sondern ein Verhältnis: wie viele Gespräche darf ein neuer Kunde kosten, bevor es sich nicht mehr trägt? Wer diese Frage nicht beantworten kann, hat das eigentliche Problem an einer anderen Stelle, und keine Agentur löst es. Dieselbe Rechnung entscheidet übrigens auch darüber, ob der Vertrieb intern aufgebaut oder extern vergeben wird.

Beachten Sie, was hier nicht steht. Es geht nicht um ein günstiges Produkt, sondern um einen Kunden, der wenig bringt und nicht wiederkommt. Ein Lieferant von Verbrauchsmaterial mit kleinem Bestellwert kann hervorragend passen, gerade weil jeden Monat neu bestellt wird. Dasselbe gilt für die Bestandskunden-Aktivierung, wo der Wert bereits belegt ist.

Wann das Zielkundenprofil zu breit ist

Das ist der häufigste Fall, und er wird fast nie so benannt. Das Unternehmen sagt: unsere Lösung passt für alle. In der Praxis heißt das: wir wissen nicht, wer kauft, also rufen Sie bitte viele an.

Die Struktur der deutschen Wirtschaft zeigt, warum das teuer wird. Nach Angaben des Statistischen Bundesamts sind 99,3 Prozent der rund 3,2 Millionen Unternehmen kleine und mittlere Unternehmen. Dieselbe Quelle nennt aber auch den zweiten Teil der Zahl: diese 99,3 Prozent waren im Berichtsjahr 2024 nur für 27 Prozent des Umsatzes verantwortlich. Je nach Wirtschaftszweig fällt das sehr unterschiedlich aus, im Baugewerbe etwa erreichen KMU 71 Prozent des Umsatzes.

Beide Zahlen zusammen ergeben erst ein Bild. Fast alle Unternehmen sind klein, aber der größere Teil des Geldes liegt woanders. Ein Profil, das alle einschließt, verteilt die Gesprächszeit also überwiegend auf den Teil des Marktes, der die kleinere Hälfte des Umsatzes trägt. Wenn Ihr Angebot ein Budget voraussetzt, das dort selten vorhanden ist, telefonieren Sie an Ihrem Markt vorbei.

Die Größenordnung lässt sich dabei vorher bestimmen. Das Unternehmensregister weist für das verarbeitende Gewerbe 198.362 Unternehmen aus, für Information und Kommunikation 134.400 und für freiberufliche, wissenschaftliche und technische Dienstleistungen 483.709. Wer weiß, in welchem dieser Ausschnitte seine Kunden sitzen und ab welcher Größe sie kaufen, kennt seinen Markt in absoluten Zahlen und kann entscheiden, ob er ihn telefonisch überhaupt bearbeiten kann.

Brauchbar wird ein Profil erst, wenn es ausschließt. Größenklasse, Branche, und vor allem der Anlass, ab dem Ihre Lösung überhaupt relevant wird: eine neue Anlage, ein zusätzlicher Standort, eine Zertifizierung, ein auslaufender Vertrag. Welche Merkmale wir dafür vorab festlegen, steht bei der Lead-Qualifizierung und in unserem Ablauf. Welche Kriterien am Ende zählen, haben wir in wann ein Lead wirklich qualifiziert ist beschrieben.

Wann das Angebot zwei Minuten nicht übersteht

Die ersten zwei Minuten eines Erstgesprächs sind das ganze Gespräch. Versteht Ihr Gegenüber in dieser Zeit nicht, welches Problem Sie lösen und warum es ihn betrifft, gibt es keine dritte Minute.

Manche Angebote schaffen das nicht, und das ist kein Vorwurf. Ein technisches Bauteil, das nur in einer bestimmten Konfiguration Bedeutung hat, eine Leistung, die sich erst nach einer Bestandsaufnahme erklären lässt, eine Software, deren Wert in der Demonstration liegt und nicht in einem Satz: dort ist das Telefon nicht der erste Schritt. Dann dreht sich die Reihenfolge um. Erst zeigen, dann anrufen.

Die Prüfung ist einfach. Lassen Sie jemanden außerhalb Ihres Teams Ihre Erklärung hören und fragen Sie danach, was Sie verkaufen. Kommt die Antwort nicht in einem Satz zurück, ändert daran auch kein Gesprächsleitfaden etwas. Was hilft, ist eine schärfere Formulierung des Problems, und damit beginnt jedes gut aufgesetzte Projekt.

Das ist zugleich der Grund, warum wir mit einem Gesprächsrahmen arbeiten und nicht mit einem Skript. Ein Skript unterstellt, dass das Gespräch vorhersehbar verläuft. Ein Rahmen unterstellt, dass der Gesprächspartner führt und dass die Person am Telefon das Thema tatsächlich kennt.

Wann der Entscheider nicht am Telefon sitzt

Es gibt Funktionen und Branchen, in denen die entscheidende Person telefonisch dauerhaft nicht erreichbar ist. Eine Betriebsleitung, die den Tag in der Halle verbringt, eine Fachabteilung, die ausschließlich über Ausschreibungsportale arbeitet, ein Einkauf, der seinen Kalender über ein System steuert. Wer dort weiter anruft, spricht am Ende nur mit Personen, die nicht entscheiden.

Das ist etwas anderes, als das Vorzimmer an der Leitung zu haben. Eine Assistenz ist ein Filter, keine Mauer, und dieser Filter ist brauchbar, sobald es einen konkreten Anlass gibt, durchzustellen. Nicht erreichbar heißt: die Funktion selbst findet nicht am Telefon statt.

Den Unterschied erkennen Sie an einem Signal. Beim Filter schwankt das Ergebnis von Gespräch zu Gespräch und wird besser, je konkreter der Anlass ist. Bei echter Nichterreichbarkeit ändert sich nichts, egal wie gut der Anlass ist. Dann verschiebt sich die Arbeit zur Terminvereinbarung rund um bestehende Berührungspunkte, etwa Messekontakte oder frühere Anfragen, statt zur kalten Ansprache.

Wann Telefonakquise das richtige Mittel ist

Das umgekehrte Bild ist genauso konkret. Das Telefon trägt, wenn der Markt zu klein für Streuwerbung ist, wenn der Kundenwert mehrere Gespräche verkraftet, wenn Sie in einem Satz sagen können, was Sie lösen, und wenn der Entscheider ein Telefon auf dem Schreibtisch stehen hat.

Was Sie beobachten Was es bedeutet
Viele Gespräche, kaum Termine, schwankende Qualität Profil zu breit, zuerst ausschließen
Termine kommen zustande, führen aber zu nichts Kundenwert oder Profil passt nicht
Gesprächspartner steigt vor der dritten Minute aus Erklärung zu komplex für diesen Kanal
Nie die richtige Person, unabhängig vom Anlass Entscheider findet nicht am Telefon statt
Wenige, aber gute Gespräche, langsame Entscheidung Das trägt, es dauert nur länger als geplant

Die letzte Zeile ist die, die am häufigsten falsch gelesen wird. Ein Markt mit langen Entscheidungswegen liefert früh wenige Zahlen und spät viele. Wer nach vier Wochen abbricht, bricht meistens genau dann ab, wenn die ersten Gespräche gereift wären. Was sich dagegen sofort beurteilen lässt, ist die Qualität der Gespräche selbst, und genau darauf sollte ein Bericht ausgelegt sein, nicht auf die Zahl der Anrufe.

Wenn Sie über Deutschland hinaus wachsen wollen, ändern sich zwei der vier Prüfungen. Der Kundenwert bleibt gleich, das Profil meist auch. Die Erklärbarkeit und die Erreichbarkeit dagegen hängen vom Zielmarkt ab, wie unsere Seiten zu den Märkten und zu den Niederlanden zeigen: dort fällt ein Nein früher und deutlicher, was ein günstiges Signal ist, aber eben ein anderes als das, was Ihr Team gewohnt ist.

Sind Sie unsicher, auf welcher Seite der Linie Sie stehen, ist das bereits eine Information. Wir sagen es lieber vorher als nach drei Monaten. Wenn Sie diese Prüfung gemeinsam machen möchten, können Sie eine Beratung anfragen.

Die vier Prüfungen fallen je nach Segment unterschiedlich aus. Bei SaaS- und Softwareanbietern scheitert es seltener am Kundenwert als an der Erklärbarkeit in zwei Minuten, weil die Kategorie erst benannt sein muss, bevor der Nutzen überhaupt ankommt.

Dieselbe Abwägung gilt, wenn Sie von Deutschland aus auch nach Belgien verkaufen. Im niederländischsprachigen Landesteil greifen ähnliche Kriterien wie oben beschrieben, mit eigenen Besonderheiten. Mehr dazu auf unserer Seite zum Vertrieb in Belgien.

Häufige Fragen dazu, wann Telefonakquise keinen Sinn ergibt

Woher weiß ich vorher, ob mein Kundenwert ausreicht?

Rechnen Sie nicht mit dem ersten Auftrag, sondern mit dem, was ein Kunde über die gesamte Beziehung bringt, und stellen Sie die Zahl der Gespräche daneben, die nötig sind, um einen zu gewinnen. Kennen Sie diese Zahl nicht, messen Sie sie zuerst in einem begrenzten Zeitraum. Sie entscheidet mehr als die Wahl des Kanals.

Meine Zielgruppe ist tatsächlich breit. Ist das Telefon damit ausgeschlossen?

Nein, aber die Zielgruppe muss vorher enger werden. Wählen Sie ein Segment, in dem Sie bereits die meisten Kunden haben, und beschreiben Sie den Anlass, ab dem Ihre Lösung relevant wird. Trägt dieses Segment, kommt das nächste dazu. Mit der vollen Breite zu starten kostet immer mehr Zeit, als es einbringt.

Was, wenn mein Produkt für ein kurzes Gespräch zu komplex ist?

Dann verschiebt sich die Aufgabe des Gesprächs. Es soll nicht erklären, sondern feststellen, ob die Situation passt, und einen Termin sichern, in dem Sie es zeigen können. Das ist ein kürzerer und ehrlicherer Auftrag, und der übersteht zwei Minuten.

Wie lange sollte ein Projekt laufen, bevor ich es bewerte?

Lange genug, um den Entscheidungszeitraum Ihres eigenen Marktes zu überbrücken. Wenn Ihre Kunden Monate brauchen, sagt ein Ergebnis nach vier Wochen nichts. Sofort beurteilbar ist dagegen, ob die richtigen Personen erreicht werden und ob sie das beschriebene Problem wiedererkennen.

Sagen Sie Interessenten wirklich ab?

Ja. Trifft einer der vier Fälle eindeutig zu, sagen wir das im ersten Gespräch. Ein Projekt, das nicht gelingen kann, kostet Sie Geld und uns den Ruf. Häufiger ist allerdings, dass der Auftrag angepasst wird, etwa von der kalten Ansprache hin zur Nachfassarbeit an bestehenden Kontakten.

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Sonja Vukmirović
Sonja Vukmirović
Vertriebsentwicklung, DialFox

Sonja verantwortet bei DialFox den Erstkontakt mit Interessenten und führt die Beratungsgespräche. Sie arbeitet täglich mit B2B-Entscheidern in Deutschland, den Niederlanden und weiteren europäischen Märkten.

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