Märkte & Markteintritt

Warum ausländische Anbieter in Deutschland scheitern, obwohl das Produkt gut ist

Am Produkt liegt es selten. Es liegt an der Ansprache, an der Sprache und daran, wie viel in Deutschland geprüft wird, bevor jemand antwortet.

Wenn ein ausländischer Anbieter in Deutschland scheitert, liegt es selten am Produkt. Es liegt an der Ansprache. Wer aus dem Ausland verkauft, unterschätzt regelmäßig, wie viel geprüft wird, bevor überhaupt geantwortet wird, wie viele Personen an einer Entscheidung beteiligt sind und welche Art von Beleg ein deutscher Einkäufer erwartet. Für Sie als Empfänger solcher Anfragen ist das aufschlussreich, denn dieselben Muster machen auch den eigenen Vertrieb langsam.

Das Wichtigste

Der deutsche Markt ist für ausländische Anbieter offen. Er antwortet nur langsam und prüft zuerst. Wer hier scheitert, hat meist das Vorgehen aus dem Heimatmarkt intensiver gefahren statt es zu ändern.

Ist der deutsche Markt für ausländische Anbieter verschlossen?

Nein, und die amtlichen Zahlen sind eindeutig. Im Jahr 2023 gehörten genau 40 151 Unternehmen in Deutschland zu einem Mutterunternehmen mit Sitz im Ausland, mit rund 4,7 Millionen Beschäftigten. 29 819 davon hatten eine europäische Muttergesellschaft, etwa 10 Prozent eine asiatische. Ausländische Anbieter verkaufen hier also erfolgreich, in jeder Branche.

Diese Zahl verschiebt die Frage. Ein verschlossener Markt wäre nicht zu reparieren. Ein offener Markt, in dem einzelne Ansprachen scheitern, schon. Das Problem sitzt in der ersten Mail, im ersten Telefonat, im ersten Termin. Wie der Markt strukturell aufgebaut ist, beschreibt unsere Marktseite Deutschland.

Warum ein gutes Produkt das Gespräch in Deutschland nicht trägt

Weil eine Behauptung erst dann als Information zählt, wenn sie überprüfbar ist. Ein Pitch aus Superlativen wirkt nicht selbstbewusst, sondern belegarm. Je stärker die Formulierung, desto genauer sucht der Zuhörer nach dem, was fehlt. Das ist kein Misstrauen, sondern Routine: Wer eine Entscheidung intern vertreten muss, braucht Material, das der Prüfung standhält.

Was trägt, ist eng und konkret. Welches Problem gelöst wird, für welche Art von Unternehmen genau, was das Produkt nicht kann und wie hoch der Umstellungsaufwand tatsächlich ist. Ein Anbieter, der früh eine Grenze benennt, gewinnt Spielraum, weil die Grenze beweist, dass der Rest gemessen wurde.

Mit Referenzen verhält es sich genauso. Eine Logowand sagt nichts. Ein benanntes Unternehmen aus vergleichbarer Branche, mit dem konkreten Problem und dem tatsächlichen Aufwand der Umstellung, sagt alles. Fehlt die deutsche Referenz noch, ist die ehrliche Ansage wirksamer als ein Ersatz: ein eng umrissener Pilot, ein technisches Gespräch mit den Entwicklern, eine Person, die direkt antwortet.

  • Das konkrete Problem, im Vokabular des Kunden beschrieben
  • Was das Produkt nicht kann, genannt bevor gefragt wird
  • Eine vergleichbare Referenz, oder die ehrliche Auskunft, dass es sie noch nicht gibt
  • Der reale Umstellungsaufwand, in Personen und Wochen

Englisch ist nicht das Hindernis, aber auch nicht die Abkürzung

Die meisten Entscheider in deutschen Unternehmen sprechen gut Englisch, am Verständnis liegt es also selten. Es liegt an Aufwand und Genauigkeit. In der Fremdsprache widerspricht ein Einkäufer weniger präzise, und ein präziser Einwand ist das Wertvollste, was in einem Erstgespräch passieren kann. Ein unbestimmtes “wir melden uns” heißt oft, dass der Einwand existierte, die Formulierung aber zu mühsam war.

Auch die Form transportiert Information. Sie-Form, korrekter Titel, ein strukturierter Einstieg: Auf Deutsch sind das Signale, dass der Anrufer vorbereitet ist. Auf Englisch entfallen sie, und ein gut vorbereiteter ausländischer Anbieter wirkt weniger seriös als ein mittelmäßiger inländischer. Fair ist das nicht, üblich schon.

Aus diesem Grund führt DialFox deutsche Gespräche auf muttersprachlichem Deutsch, niederländische auf Niederländisch und englische mit einem britischen Team aus in London geborenen Muttersprachlern. Vertrieb beim Markteintritt ist für uns zuerst eine Sprachfrage und erst danach eine Prozessfrage.

99,3 Prozent der Unternehmen in Deutschland sind KMU

2024 zählten 99,3 Prozent der 3,2 Millionen Unternehmen zu den kleinen und mittleren Unternehmen, nur rund 21 500 galten als Großunternehmen. 54 Prozent der 39,3 Millionen Beschäftigten arbeiteten in einem KMU. Die Abgrenzung des Statistischen Bundesamts folgt dabei festen Umsatz- und Beschäftigungsgrößenklassen: mittlere Unternehmen bis 249 tätige Personen und bis 50 Millionen Euro Jahresumsatz.

Ein Vertriebsmodell, das auf Konzerne ausgelegt ist, zielt damit auf einen Bruchteil eines Prozents des Marktes. Genau das ist der häufigste Konstruktionsfehler bei ausländischen Anbietern: Prozesse, Materialien und Gesprächsführung stammen aus dem Konzerngeschäft und treffen auf ein Unternehmen, in dem der Inhaber im Raum sitzt.

Für Sie als deutsches Unternehmen ist die Rückseite dieser Beobachtung interessant. Wenn der Inhaber im Raum sitzt, kann eine Entscheidung schnell fallen, sobald Vertrauen besteht, und sie fällt gar nicht, solange es fehlt. Wer einen Einkaufsprozess erwartet, der die Sache von selbst weiterträgt, wartet vergeblich. Wer die relevanten Ansprechpartner sauber trennt, kommt weiter, und genau dafür ist Lead-Qualifizierung da.

Die für den B2B-Vertrieb wichtigsten Branchen sind zugleich die größten. Das Statistische Unternehmensregister zählt 198 362 Unternehmen im Verarbeitenden Gewerbe, 134 400 in Information und Kommunikation und 483 709 in den freiberuflichen, wissenschaftlichen und technischen Dienstleistungen. Wie sich das auf die Ansprache auswirkt, steht auf unseren Branchenseiten.

Was drei Wochen Schweigen im deutschen Vertrieb bedeuten

Meistens läuft die Prüfung ohne Sie weiter. Jemand vergleicht die Angaben mit dem bestehenden Lieferanten, fragt in einer anderen Abteilung nach, ob die Anbindung realistisch ist, oder wartet darauf, dass die eigentlich entscheidende Person aus dem Urlaub zurückkommt. Schweigen ist keine Absage, aber auch keine Einladung.

Der übliche Fehler besteht darin, das Schweigen mit weiteren Nachfassmails im gleichen Ton zu füllen. Jede Nachricht ohne neue Information verkleinert den Kreis derer, die noch antworten. Eine Nachfassung, die etwas hinzufügt, einen vergleichbaren Fall, eine konkrete Antwort auf den letzten Einwand, eine kürzere Fassung des Angebots, hält das Gespräch am Leben.

Wirksamer ist die Korrektur davor. Jedes Gespräch endet mit einer ausdrücklichen Vereinbarung über den nächsten Schritt: wer tut was, bis wann. In Deutschland wird diese Vereinbarung ausgesprochen und nicht aus einem freundlichen Ton abgeleitet. Wie wir das in jedes Telefonat einbauen, steht im Ablauf. Den Schritt davor behandelt der Beitrag darüber, wie man B2B-Kunden in Deutschland findet.

Was den Unterschied macht

Der größte Teil des Scheiterns ist eine Abweichung zwischen mitgebrachten Annahmen und dem, was auf deutscher Seite tatsächlich passiert.

Annahme aus dem Heimatmarkt Was in Deutschland üblicherweise passiert
Ein Entscheider kann unterschreiben Mehrere Personen prüfen dieselbe Aussage aus unterschiedlichen Blickwinkeln, bevor sich jemand festlegt
Ein selbstbewusster Pitch erzeugt Dringlichkeit Ein selbstbewusster Pitch ohne prüfbare Details erzeugt Zurückhaltung
Schnelles Nachfassen zeigt Engagement Schnelles Nachfassen ohne neue Information verkleinert den Kreis der Antwortenden
Englisch reicht, sie sprechen es ja Englisch funktioniert, aber der Einwand fällt unschärfer aus und bleibt weniger hängen
Schweigen heißt nein Schweigen heißt meist, dass die interne Prüfung noch läuft

Unsere Arbeit ist bewusst eng zugeschnitten. Muttersprachler erreichen die richtigen Ansprechpartner nach gemeinsam festgelegten Kriterien, klären, ob ein tatsächliches Problem vorliegt, und vereinbaren den Termin. Was Sie bekommen, ist eine strukturierte Übergabe: der Kontakt, die Notizen aus dem Gespräch und der vereinbarte nächste Schritt. Kein Dashboard, kein Bericht über Anrufmengen. Mehr dazu auf der Seite Terminvereinbarung.

Wenn Sie vor der Frage stehen, wie ein neues Segment überhaupt begonnen wird, finden Sie den praktischen Ablauf auf unserer Seite zum Markteintritt ohne eigenes Vertriebsteam.

Häufige Fragen

Kann ein ausländischer Anbieter ohne lokales Vertriebsteam in Deutschland verkaufen?

Ja, viele tun es. Nicht überspringen lässt sich die Landessprache und die hiesige Erwartung an Belege. Beides kann eingekauft oder intern aufgebaut werden, ersetzen lässt es sich nicht durch eine bessere englische Präsentation. Der interne Aufbau kostet einen Einstellungszyklus plus die Monate bis zur Produktivität.

Wie lange dauert es, bis ein Erstgespräch in Deutschland zu etwas führt?

Das hängt vom Preis und vom Umstellungsaufwand ab. Ein Produkt, das einen seit fünfzehn Jahren genutzten Lieferanten ersetzt, braucht länger als eines, das eine offensichtliche Lücke füllt. Konstant ist, dass das erste Gespräch fast nie abschließt. Es klärt, ob ein echtes Problem vorliegt.

Braucht ein ausländischer Anbieter deutschsprachige Unterlagen?

Nicht alles, aber genug. Eine deutsche Landingpage, eine einseitige Übersicht und eine Person, die auf Deutsch antworten kann, sind das Minimum. Ein englisches PDF nach einem deutschen Telefonat zerstört den Eindruck, den das Telefonat aufgebaut hat, und die Naht fällt sofort auf.

Was ist der häufigste Fehler bei der Ansprache aus dem Ausland?

Über das Produkt zu sprechen, bevor geklärt ist, ob das Problem überhaupt besteht. In Märkten mit billiger Aufmerksamkeit funktioniert das oft genug. In Deutschland wirkt es unvorbereitet, und wer diesen Eindruck in der ersten Minute gewinnt, korrigiert ihn selten wieder.

Was lässt sich daraus für den eigenen Vertrieb ableiten?

Dieselben Punkte gelten im Inland. Prüfbare Aussagen statt Superlative, eine benannte Grenze des eigenen Angebots, und am Ende jedes Gesprächs eine ausdrücklich vereinbarte nächste Handlung. Wer das konsequent tut, verliert weniger Gespräche im Schweigen, unabhängig davon, aus welchem Land er anruft.

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Sonja Vukmirović
Sonja Vukmirović
Vertriebsentwicklung, DialFox

Sonja verantwortet bei DialFox den Erstkontakt mit Interessenten und führt die Beratungsgespräche. Sie arbeitet täglich mit B2B-Entscheidern in Deutschland, den Niederlanden und weiteren europäischen Märkten.

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