Märkte & Markteintritt

Europäische Märkte erschließen: wo Sie B2B-Kunden in Europa finden

Welche Quellen im europäischen B2B-Vertrieb wirklich weiterhelfen, warum sich Register und Regeln je Land unterscheiden und wie Sie den nächsten Markt auswählen.

Geschaeftsreisende im Flughafenterminal, Sinnbild fuer Vertrieb in europaeischen Maerkten

Europa ist kein Markt. Es ist eine Reihe von Märkten mit unterschiedlicher Datenlage, unterschiedlichen Regeln für die geschäftliche Erstansprache, unterschiedlicher Entscheidungssprache und unterschiedlichem Tempo. Wer nach dem Erfolg im Heimatmarkt europäische Märkte erschließen will, beantwortet deshalb zuerst eine Auswahlfrage und erst danach eine Vertriebsfrage. Wo Sie Firmen finden, ist schnell gesagt: in den nationalen Unternehmensregistern, in europäischen Verzeichnissen wie Europages und über Netzwerke wie das Enterprise Europe Network. Wichtiger ist, was diese Quellen nicht leisten. Sie zeigen Ihnen Unternehmen, die sichtbar sein wollen oder aktiv einen Partner suchen. Der größere Teil Ihrer künftigen Kunden gehört nicht dazu.

Das Wichtigste

Verzeichnisse und Netzwerke sind ein guter und günstiger Einstieg, aber sie führen Sie zu einer selbst ausgewählten Minderheit: zu Firmen, die bereits nach einem Partner suchen. Die Mehrheit Ihrer künftigen Kunden trägt sich nirgends ein und sucht Sie nie. Entscheidend ist deshalb nicht die Quelle, sondern die Wahl eines Marktes und der erste Anruf in der Sprache dieses Marktes.

Wo finden Sie Firmen, wenn Sie europäische Märkte erschließen wollen?

Es gibt drei brauchbare Ausgangspunkte, und jeder beantwortet eine andere Frage.

Der erste ist das Enterprise Europe Network, ein grenzüberschreitendes Netzwerk zur Unterstützung kleiner und mittlerer Unternehmen, die international wachsen wollen. Die Europäische Kommission hat es 2008 gestartet. Es umfasst rund 600 Organisationen in allen EU-Mitgliedstaaten und in mehr als 20 weiteren Partnerländern und ist damit das größte Unterstützungsnetzwerk für kleine und mittlere Unternehmen. Getragen wird es von über 3.000 Fachleuten aus mehr als 600 Mitgliedsorganisationen, darunter Industrie- und Handelskammern, Technologieparks, Organisationen der Innovationsförderung, Universitäten und Institute sowie regionale Entwicklungsorganisationen. Für den ersten Schritt über die Grenze ist das ein realer Vorteil: Sie sprechen mit jemandem vor Ort, der den Zielmarkt kennt.

Der zweite ist die Datenbank der Kooperationsangebote desselben Netzwerks. Dort stehen Profile von Unternehmen, Instituten und Universitäten, die einen Partner suchen, darunter Firmen, die ausdrücklich Geschäfts- oder Vertriebspartner suchen. Das ist die direkteste Form der Anbahnung, die eine öffentliche Stelle anbietet, und sie kostet Sie nichts außer Zeit.

Der dritte sind Verzeichnisse und nationale Register. Europages ist ein europäisches B2B-Verzeichnis und ein Marktplatz und eignet sich, um Anbieterlandschaften über Ländergrenzen hinweg zu sichten. Die nationalen Unternehmensregister sind die verlässlichste Grundlage für Firmendaten, unterscheiden sich aber stark in Zugang und Qualität. Für die Größenordnung eines Marktes, also für Branchenstruktur und Unternehmensgrößen, liefert die Unternehmensstatistik von Eurostat den Rahmen.

Quelle Was Sie bekommen Grenzen
Enterprise Europe Network Beratung und Kontakte vor Ort in allen EU-Staaten und über 20 Partnerländern Arbeitet fallbezogen und liefert keine Zielkundenliste auf Abruf
Kooperationsangebote des Netzwerks Profile von Firmen, Instituten und Universitäten, die einen Partner suchen, auch Vertriebspartner Enthält nur Unternehmen, die sich selbst eingetragen haben
Europages Europäisches B2B-Verzeichnis und Marktplatz für die Sichtung von Anbietern Sichtbar ist, wer sichtbar sein will, ohne Aussage über Bedarf
Nationale Unternehmensregister Verlässliche Firmendaten je Land Zugang, Umfang und Kosten unterscheiden sich erheblich je Land
Eurostat Unternehmensstatistik Struktur eines Marktes nach Branche und Unternehmensgröße Keine Einzelfirmen, die Sie ansprechen könnten

Warum sich Register und Regeln von Land zu Land unterscheiden

Drei benachbarte Märkte zeigen, wie unterschiedlich die Ausgangslage ist, bevor Sie überhaupt zum Hörer greifen.

  • Deutschland. Das statistische Unternehmensregister weist für 2024 rund 3,5 Millionen rechtliche Einheiten aus. Wie wir in diesem Markt arbeiten, steht auf unserer Seite zu Deutschland.
  • Niederlande. Das KVK Handelsregister umfasst über 3,7 Millionen Eintragungen und stellt zusätzlich einen offenen Datensatz kostenfrei bereit. Der Zugang zu Firmendaten ist dort spürbar einfacher, siehe unsere Seite zu den Niederlanden.
  • Großbritannien. Anfang 2025 wurden 5,7 Millionen Unternehmen im Privatsektor geschätzt, davon 99,9 Prozent kleine und mittlere Unternehmen. Das ist ein sehr breiter Markt mit sehr vielen kleinen Einheiten, siehe Großbritannien.

Drei Nachbarn, drei völlig unterschiedliche Ausgangslagen. In einem Land laden Sie einen offenen Datensatz herunter, im nächsten arbeiten Sie sich durch andere Strukturen, und die schiere Zahl der Unternehmen sagt noch nichts darüber, wie viele davon für Sie relevant sind. Wer die Datenbeschaffung eines Landes als Vorlage für das nächste nimmt, verliert Zeit.

Auch die Regeln für die geschäftliche Erstansprache per Telefon und E-Mail unterscheiden sich von Land zu Land und gehören vor jeder Kampagne für den Zielmarkt geprüft. Wie streng solche Regeln ausfallen können, zeigt unser Beitrag zur Kaltakquise im B2B in Deutschland. Übertragen Sie Annahmen aus einem Land niemals ungeprüft auf ein anderes.

Neben Daten und Regeln unterscheiden sich drei weitere Punkte, die im Gespräch sofort spürbar werden. Erstens die Sprache der Entscheidung: Englisch wird fast überall gesprochen, entschieden wird aber oft nicht auf Englisch. Zweitens Tempo und Formalität: In einem Markt gilt die ausführliche Vorstellung als seriös, im anderen als Zeitverschwendung. Drittens der Kanal, der die Tür öffnet: mal das Telefon, mal die E-Mail, mal die Empfehlung. Einen Überblick über die Märkte, in denen wir arbeiten, finden Sie auf unserer Seite zu den Märkten.

Wie wählen Sie den nächsten europäischen Markt aus?

Der häufigste Fehler ist nicht die falsche Länderwahl. Es ist der Versuch, fünf Märkte gleichzeitig anzugehen und jeden davon nur halb. Ein Markt, richtig gemacht, schlägt fünf Märkte nebenbei. Für eine belastbare Entscheidung reichen sechs Fragen.

  1. Haben Sie dort bereits einen Kunden, eine Referenz oder einen Partner? Ein einziger zufriedener Kunde im Land verändert jedes Erstgespräch. Er ersetzt eine lange Erklärung durch einen Namen, den Ihr Gesprächspartner einordnen kann.
  2. Wie nah ist Ihr Produkt an dem, was dort ohnehin gekauft wird? Wenn Sie zusätzlich zum Verkauf noch eine neue Kategorie erklären müssen, verdoppeln Sie die Aufgabe. Der einfachere Markt ist der, in dem Ihr Thema bereits ein Budget hat.
  3. Wie zugänglich ist das Register und wie brauchbar sind die Daten? Offene und vollständige Daten sparen Wochen. Schwer zugängliche oder lückenhafte Daten sind kein Ausschlusskriterium, sie gehören aber in die Kalkulation.
  4. Wie viel Landessprache brauchen Sie für den Erstkontakt? Diese Frage entscheidet über Kosten und Zeitplan. Sie brauchen keine perfekte Antwort, aber eine ehrliche.
  5. Können Sie dort liefern und den Kunden danach betreuen? Ein Termin, aus dem ein Auftrag wird, den Sie nicht sauber bedienen können, schadet mehr als er nutzt. In kleinen Märkten spricht man miteinander.
  6. Wie lange dauert der Entscheidungszyklus und wie lange können Sie ihn finanzieren? Wenn Ihr Verkaufszyklus neun Monate dauert, brauchen Sie einen Plan für neun Monate ohne Umsatz aus diesem Markt. Sonst brechen Sie ab, kurz bevor es funktioniert.

Beantworten Sie diese sechs Fragen schriftlich für drei Kandidatenländer. In den meisten Fällen fällt die Entscheidung danach von selbst, und Sie haben zugleich die Grundlage für das Briefing.

Warum Ihre besten Kunden Sie in Europa nie selbst finden werden

Hier liegt der Punkt, den Verzeichnisse und Netzwerke nicht lösen können. Eine Kooperationsdatenbank zeigt Ihnen Unternehmen, die selbst nach einem Partner suchen. Das ist ernst gemeint und manchmal genau der richtige Einstieg. Es ist aber ein kleiner und selbst ausgewählter Ausschnitt des Marktes.

Denken Sie an Ihre besten Kunden im Heimatmarkt. Wie viele davon haben irgendwo ein Profil hinterlegt, in dem sie einen Lieferanten suchen? In den meisten Fällen keiner. Diese Unternehmen haben bereits einen Anbieter, sie sind mit dem Tagesgeschäft ausgelastet, und sie werden nie auf die Idee kommen, nach Ihnen zu suchen. Erreichbar sind sie trotzdem, aber nur auf einem Weg: Jemand ruft sie an, spricht ihre Sprache und hat einen konkreten Anlass für das Gespräch.

Genau das ist die Arbeit, die zwischen einer Liste und einem Termin liegt. Sie besteht aus drei Schritten: der Auswahl der richtigen Firmen, dem Finden der richtigen Person und dem Gespräch, in dem sich echtes Interesse von Höflichkeit trennt. Diese Schritte sind der Kern unserer B2B-Leadgenerierung, der anschließenden Lead-Qualifizierung und der Terminvereinbarung. Eine Liste mit 3.000 Firmen aus einem Verzeichnis ist weniger wert als 200 Firmen, bei denen Sie den Anlass für den Anruf benennen können.

Wann Sie das selbst können, und wann Sie eine lokale erste Linie brauchen

Nicht jedes Unternehmen braucht dafür einen Partner. Sie kommen allein zurecht, wenn drei Dinge zusammenkommen: Der Zielmarkt ist überschaubar, im Team spricht jemand die Landessprache auf Geschäftsniveau, und diese Person hat verbindlich Zeit für Recherche und Telefonate. Bei einigen Dutzend Zielkunden, einem bestehenden Kontaktnetz und einem Produkt, das Ihre Fachleute ohnehin selbst erklären müssen, ist externe Unterstützung überflüssig.

Anders sieht es aus, wenn Sie mehrere Länder parallel prüfen wollen, wenn niemand im Team die Landessprache auf Verhandlungsniveau spricht, wenn Ergebnisse im laufenden Quartal gebraucht werden oder wenn Sie noch nicht wissen, welches Segment im Zielland trägt. Ein eigener lokaler Vertrieb ist die teuerste und die langsamste Art, diese Fragen zu beantworten.

Für diesen Fall gibt es Vertriebsunterstützung beim Markteintritt. Für ein deutsches Unternehmen hat das einen praktischen Nebeneffekt: Derselbe Partner, der Ihren Vertrieb im Heimatmarkt unterstützt, übernimmt auch die erste Linie im Nachbarland. Deutsch, Niederländisch und britisches Englisch decken wir mit Muttersprachlern ab, weitere europäische Märkte auf Anfrage. Der Ablauf zeigt Schritt für Schritt, was von der Zielgruppendefinition bis zum Termin passiert. Ob sich ein bestimmter Markt für Sie lohnt, lässt sich in einem Beratungsgespräch in kurzer Zeit einordnen.

Eine Grenze nennen wir offen: Wir arbeiten nicht in Ihrem CRM. DialFox nutzt ein eigenes System und liefert eine strukturierte Übergabe, also Kontaktdaten, Notizen aus dem Gespräch und den vereinbarten nächsten Schritt. Ihr Vertrieb übernimmt an dem Punkt, an dem er gebraucht wird.

Wie sich das auf einen einzelnen neuen Markt herunterbrechen lässt, Woche für Woche, zeigt unsere Seite zum Markteintritt ohne eigenes Vertriebsteam.

Häufige Fragen zum Erschließen europäischer Märkte

Reichen Verzeichnisse und Netzwerke, um in Europa Kunden zu gewinnen?

Als Einstieg ja, als Vertriebsweg nein. Das Enterprise Europe Network und seine Kooperationsdatenbank bringen Sie mit Unternehmen zusammen, die aktiv einen Partner suchen. Das ist ein kleiner Teil des Marktes. Die Firmen mit dem größten Potenzial suchen nichts und melden sich nirgends an. Sie erreichen Sie nur über direkte Ansprache.

Welchen europäischen Markt sollten wir zuerst angehen?

Den, in dem Sie bereits einen Kunden, eine Referenz oder einen Partner haben, in dem Ihr Thema schon ein Budget hat und in dem Sie liefern und betreuen können. Prüfen Sie drei Kandidaten anhand der sechs Fragen aus diesem Beitrag. Ein Markt, sauber bearbeitet, bringt mehr als fünf Märkte nebenbei.

Reicht Englisch für den Erstkontakt in Europa?

Für das Verstehen meist ja, für die Entscheidung oft nicht. Englisch wird in weiten Teilen Europas gesprochen, die interne Abstimmung läuft aber in der Landessprache. Im Erstkontakt entscheidet nicht, ob man Sie versteht, sondern wie ernst Ihr Interesse am Markt wirkt. Die Landessprache öffnet Gespräche, die auf Englisch höflich enden.

Arbeiten Sie in unserem CRM?

Nein. DialFox arbeitet in einem eigenen System und nicht in Ihrem CRM. Sie erhalten eine strukturierte Übergabe mit den Kontaktdaten des Gesprächspartners, den Notizen aus dem Gespräch und dem vereinbarten nächsten Schritt. Ihr Team pflegt das dort ein, wo es ohnehin arbeitet, ohne dass wir Zugriff auf Ihre Systeme brauchen.

Dieser Beitrag ist keine Rechtsberatung. Die Regeln für die geschäftliche Erstansprache unterscheiden sich je nach Land und Kanal. Lassen Sie Ihr Vorgehen für den jeweiligen Zielmarkt prüfen, bevor eine Kampagne startet.

Teilen LinkedIn E-Mail
Sonja Vukmirović
Sonja Vukmirović
Vertriebsentwicklung, DialFox

Sonja verantwortet bei DialFox den Erstkontakt mit Interessenten und führt die Beratungsgespräche. Sie arbeitet täglich mit B2B-Entscheidern in Deutschland, den Niederlanden und weiteren europäischen Märkten.

Auf LinkedIn vernetzen

Kontakt aufnehmen

Bereit für eine stärkere B2B-Vertriebspipeline?

Erzählen Sie uns von Ihrem Zielmarkt und Ihrem Angebot. Wir zeigen Ihnen, wie eine strukturierte Outbound-Kampagne für Ihr Unternehmen funktionieren kann, in Deutschland, den Niederlanden, Großbritannien oder dem übrigen Europa.

  • Ein kurzes, unverbindliches Gespräch über Ihre Ziele
  • Ein klares Bild davon, wie Ansprache und Qualifizierung ablaufen
  • Deutschland, Niederlande, Großbritannien und übriges Europa

Wir antworten innerhalb eines Werktags. Kein Spam, versprochen.